Rückblick auf die BZP-Mitgliederversammlung und Europäische Taximesse 2018 in Köln

Rückblick auf die BZP-Mitgliederversammlung und Europäische Taximesse 2018 in Köln: „Das PBefG ist in Ordnung - es muss nicht zwingend verändert werden!“

Der Saal im Kölner Hotel Pullman hat schon heftigere Mitgliederversammlungen des Deutschen Taxi- und Mietwagenverbands als am 1. November 2018 erlebt. Dennoch sind die Zeiten nicht ruhiger geworden. „Es macht keinen Sinn, über einen etwaigen parteipolitischen Wechsel zu spekulieren“, sagte BZP-Präsident Michael Müller. Politisch habe die Branche bei Union und SPD Unterstützung, auch die Grünen hätten die Schwierigkeiten des Gewerbes auf der Agenda. Mit diesem Ergebnis könne man zufrieden sein. Sollten sich die Machtverhältnisse ändern, wäre dies mit Blick auf die aktuellen Stimmungsumfragen keine schlechte Ausgangsbasis. Allerdings: Das sei kein Punkt, an dem man sich beruhigt zurücklehnen könne, betonte Müller: „Es können auch neue Köpfe kommen, es können auch Stimmungen schnell wechseln.“ Als Beispiel nannte er die Reaktorkatastrophe von Fukushima im März 2011 in Japan, dem nach wenigen Tagen Sicherheitsprüfungen für alle 17 deutschen Kernkraftwerke folgten und nach wenigen Monate das Aus für acht AKWs sowie der generelle Atomausstieg bis 2022 kam.


Brauchen wir eine Reform des Personenbeförderungsgesetzes?


Vor den Mitgliedern stellte Michael Müller die rhetorischen Fragen: Brauchen wir eine Reform? Ist das Personenbeförderungsgesetz so schlecht, dass es angefasst werden muss? „Ich sage nein, denn es ist ein hochintelligentes Gesetz.“ Es ist eine Experimentierklausel im Gesetz enthalten, die es erlaubt, die verschiedensten Formen der Personenbeförderung zu testen. Aber danach müsse ausführlich Bilanz gezogen werden. Experiment heiße eben nicht, dass der Markt zertrümmert werden muss. Aber wenn nur der Investor verdient, der ÖPNV dagegen im wahrsten Sinne des Wortes auf der Strecke bleibt, dann wäre keinem geholfen. Laut Müller müsse es vielleicht eine Änderung bei der Fahrerlaubnisverordnung geben, dazu sei allerdings keine Reform des PBefG nötig. Zudem sei das Gesetz so komplex, dass allein schon die Veränderung eines Punktes reiche, um die die gesamte Beförderungsbranche ins Straucheln zu bringen.


Änderungen beim Personenbeförderungsgesetz lösen keine Probleme


Zwei Beispiele belegen eindrucksvoll, dass die Branche längst die Zeichen der Zeit erkannt hat. Da ist zum einen die Digitalisierung. „Auch wenn Uber so tut, als seien sie die Gründerväter der Digitalisierung - wir waren längst vorher mit unseren digitalen Lösungen am Markt“, unterstrich Michael Müller. „Aber wir bedienen auch diejenigen, die auch noch analog per Telefon bestellen und statt Bits und Bytes lieber das persönliche Gespräch suchen. Und wir sind keine Rosinenpicker und grenzen diejenigen nicht aus, die lieber bar bezahlen.“ Diese Positionen würden gerade in vielen Gesprächen verdeutlicht. Das Gewerbe habe in eigener Regie ein Taxi-Netzwerk aufgebaut, mit dem 80 Prozent Deutschlands und mittlerweile 13 europäische Länder abgedeckt werden. Michael Müller: „Da kann Uber mit drei Städten in Deutschland nicht mithalten. WIR sind an der Führungsspitze im Bereich Taxi“. Und ein weiteres Argument der neuen Wettbewerber entkräftete der BZP-Präsident. Ein Blick nach Amerika beweist: Uber und Co. verstopfen zwar die Innenstädte der Metropolen. Sie bringen aber keinerlei Lösungen für ländliche Regionen. Oftmals ist das Taxi hierzulande zur einzigen Verbindung von Dorf zu Dorf geworden. Aber: Wenn auf dem Lande der Bedarf an Mobilität sinkt, kommt das Gewerbe in wirtschaftliche Schwierigkeiten. „Bei drei oder vier Fahrten in der Nacht und bei Umsätzen um die 60 Euro, dann ist der Mindestlohn von 80 bis 90 Euro schwer zu bezahlen.“. Hier muss auch über Subventionen aus dem ÖPNV-Topf nachgedacht werden, dies werde bereits in den Gesprächen mit Politikern debattiert, erklärte Müller.

Stärke zeigen gegen Uber

Inzwischen ist Uber in Düsseldorf gestartet - mit den gleichen Gesetzesbrüchen wie in Berlin und München auch. „Die von Uber beauftragten Unternehmer halten die Rückkehrpflicht nicht ein, aber die Verstöße werden dokumentiert“, hieß es aus der NRW-Landeshauptstadt. Besonders zwischen 10 und 15.30 Uhr würden die Fahrzeuge an belebten Straßen und Plätzen auf Fahrgäste warten. An Wochenenden sei es abends schwerer, Verletzungen der Rückkehrpflicht nachzuweisen. Für die Zukunft müsse in weiteren Städten mit dem Start Ubers gerechnet werden. Dafür will sich das Gewerbe rüsten, mit einer Taskforce, um aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen.

Nach dem gewerbepolitischen Bericht präsentierte BZP-Vorstand Roland Böhm Taxi-Image-Filme, die im Rahmen einer Diplomarbeit in Zusammenarbeit mit dem Hamburger „Institute of Design“ von einer jungen Filmstudentin im Auftrag des BZP produziert wurden. Die drei Kurzgeschichten „Kaffeeklatsch“, „Party“ und „Trennung“ verdeutlichen im Rahmen der Kampagne „verlässlich ist modern“, dass Taxis ein geschützter Ort sind, in dem sich jedermann sicher und geborgen fühlen kann. Die Filme werden dem gesamten Gewerbe kostenlos zur Verfügung gestellt, Näheres über die drei Stories mit der Aussage „Wir bringen jede Geschichte sicher nach Hause“ erfahren Sie bald.

Zum Abschluss des öffentlichen Teils der Mitgliederversammlung wurden dann technische Lösungen zum Themenbereich „Fiskaltaxameter“ präsentiert: Ahmed Amer (Finn Frogne), Barbara Stering (Hale), Jürgen Weberpals (Semitron), Michael Tasbach (Kienzle Argo Taxi International) sowie Robert Abel (fms) stellten in Kurzvorträgen die Essentials der Fiskal-Lösungen ihrer Häuser vor, die auf der folgenden ETM natürlich detaillierter begutachtet werden konnten.

Präsident Müller beendete dann die Sitzung mit seinem herzlichen Dank an die Sponsoren und Veranstalter der begleitenden Rahmenveranstaltungen und Events, insbesondere Mercedes-Benz für die traditionelle Abendveranstaltung, der Signal Iduna/Vdk sowie dem Much Autohaus, Autocab, Deutsche Telekom, Hale, Ford-Fiegl, weiter Kienzle Argo Taxi International und Toyota.

Europäische Taximesse: „verlässlich ist modern“

Auf der Europäischen Taximesse - die mit ihrem neuen Motto „verlässlich ist modern“ die PR-Kampagne des BZP aufnimmt - hieß es wieder „Full House“, am 2. und 3. November wurde die bis auf den letzten Stand belegte Messehalle 4.1 von gut 14.000 Besuchern in Augenschein genommen, von denen über ein Viertel aus dem Ausland stammte.

Die angebotene Bandbreite an Produkten und Dienstleistungen von 110 Ausstellern aus 16 Nationen war wieder sehr beeindruckend. Angesichts der aktuellen „Diesel-Krise“ und Innenstadtfahrverboten galt das besondere Interesse alternativen und besonders umweltfreundlichen Antriebstechniken - und hier wurde eine ganze Menge geboten: Marktführer Mercedes-Benz zeigte neben der brandneuen B-Klasse den E 300 de im Taxi-Trimm, eine Plug-in-Hybrid-Diesellimousine, die bei Ausschöpfen aller Fördermöglichkeiten preislich recht nah beim klassischen Dieselmodell E 200 d liegt und im Norm-Verbrauchszyklus nur 41 g CO2 emittiert, was gerade einmal 1,6 l Diesel auf 100 km entspricht.

Dicht umlagert auch die Stände von Volkswagen, wo die Nummer Zwei im deutschen Taxigewerbe neben klassischen Dieselmodellen wie dem Tiguan Allspace und dem Crafter Kombi als Taxi auch den Ausblick auf vollelektrische Fahrzeuge zeigte. Die in Kooperation von Volkswagen Nutzfahrzeuge mit der renommierten Tuningschmiede ABT entwickelten ABT e-Caddy Maxi und ABT e-Caravelle bieten Platz in Hülle und Fülle bei Reichweiten zwischen 220 und 400 km, beide Angebote sollen bereits ab Sommer 2019 beim Händler stehen. Auch Nissan, Mitsubishi und Opel zeigten elektrifizierte Fahrzeuge, Pionier Toyota mit den neuen Camry, Corolla, RAV 4 und dem Lexus ES gleich vier Hybrid-Premieren. Diverse Volvo-Modelle wie auch das neue London-E-Taxi konnten nicht nur in der Halle bewundert, sondern auf dem Messegelände gleich zur Probe gefahren werden. Da durfte der Elektropionier Tesla mit dem Modell S genauso wenig fehlen wie dessen brandneuer Herausforderer Jaguar I-Pace.

Systeme, Apps und Digitales

Nicht nur die Autos, auch Software- und Vermittlungsanbieter unterstrichen die Innovationskraft und den hohen Stand der Digitalisierung im Taxigewerbe. Neueste App-Technologie, zunehmende internationale Vernetzung und hochmoderne Lösungen für Fiskaltaxameter-Systeme waren von besonderem Interesse des Publikums wie auch neue Abrechnungslösungen und spezielle Versicherungsangebote für die Branche. Auch die wieder sehr zahlreich vertretenen behindertengerechten Umbauten diverser Anbieter zeigen deutlich, dass das Gewerbe mit der Besetzung von Marktnischen immer stärker zum Versorgungsgaranten für diejenigen Menschen wird, die in besonders hohem Maße auf Mobilität angewiesen sind.

Der BZP-Messestand im neuen „verlässlich-ist-modern“-Look war wiederum ein zentraler Mittelpunkt der Messe. Delegierte, Ausschussmitglieder und das Messe-Team des Bundesverbandes kamen keinen Augenblick zur Ruhe und standen einer Vielzahl von Interessenten aus dem In- und Ausland mit Auskunft, Rat und Tat zur Verfügung.

Bei der Podiumsdiskussion am Messe-Freitag beleuchtete BZP-Präsident Michael Müller aktuelle gewerbepolitische Themen, der internationale Anspruch der ETM wurde durch das mittlerweile 8. internationale Taxiforum der IRU unterstrichen.

BZP-Abschlusskundgebung: Mit dem PBefG ist alles möglich!

Auch bei der traditionellen BZP-Abschlusskundgebung am Samstagnachmittag war es rappelvoll in der Kölner Messehalle, Michael Müller begrüßte mit Dr. Norbert Salomon den Leiter der Grundsatzabteilung im Bundesverkehrsministerium zu einer Debatte um die Zukunft des Personenbeförderungsgesetzes. Nach dem anfänglichen Positionsaustausch betonte der BZP-Präsident, dass der Bundesverband keinen zwingenden Handlungsbedarf zur Änderung des PBefG sehe. „Denn es ist ja alles möglich, es ist nichts blockiert. Es ist ein komplexes Gesetz, das heißt, man sollte Schnellschüsse vermeiden.“ Experimente seien machbar, aber dazu müsse das Gesetz nicht geändert werden. Die Tests müssten dann nach dieser Testphase aber ordentlich ausgewertet werden. Und da könne es nur einen Blickwinkel geben: Es müsse sinnvoll für den ÖPNV sein. Und nicht für den Investor. Müller sagte wörtlich: „Erst prüfen und dann nach vier Jahren entscheiden, was ist änderungswert und änderungswürdig. Haben Sie das bei der eventuell doch anstehenden Änderung stets im Blick. Wir stehen mit unserer Erfahrung bereit, Sie entsprechend zu unterstützen und Ihnen auch zuzuarbeiten, was sinnvoll ist. Und wir betrachten das nicht als Abgrenzung im Sinne des Wettbewerbs, sondern im Interesse des ÖPNV.“ Müllers Fazit: Bezahlbare Mobilität ist Teil der Daseinsvorsorge und keine Spielwiese für IT-Fans. Dr. Norbert Salomon hörte aufmerksam zu und erwiderte: „Das Personenbeförderungsgesetz, so wie es jetzt ist, ist ein hohes Gut. Die letzte Novellierung hat fünf Jahre gedauert. Daran sieht man schon, es ist alles andere als leicht, hier Änderungen durchzuführen. Deshalb: Wir lassen uns Zeit, wir wägen ganz genau ab. Und wenn, dann werden wir es nur gemeinsam mit den wichtigsten Marktteilnehmern machen - dazu gehört in allererster Linie das Taxi- und Mietwagengewerbe. Und momentan haben wir deshalb auch keinen aktuellen Entwurf (zur Änderung des PBefG) auf dem Tisch liegen, der schon in irgendeine Art Richtung zeigt.“

Durchaus gute Nachrichten also für die rund 5.000 interessierten Zuschauer. Besonders glücklich verließ ein Taxiunternehmer aus dem Rheinland den Saal, nämlich mit dem Zündschlüssel für seinen nagelneues Mercedes-Benz E 200 d-Taxi, dem traditionell von der Stern-Marke gestifteten Hauptgewinn der Messe. Viele gute Traditionen also auf der weltgrößten Schau des mobilsten Gewerbes der Welt - aber gleichzeitig auch ein gerütteltes Maß an Selbstbewusstsein, Innovationskraft und Fortschritt!

Hinweis: Auf Youtube finden Sie einen Rückblick auf die ETM.

(Meldung vom 04.12.2018)