INFORMATIONEN DES BZP

Nachschau auf die BZP-Herbstveranstaltung in Düsseldorf am 25.10.2005: Krankenfahrten, GPRS-gestützte Taxivermittlung und die Fußball-WM 2006 bildeten die thematischen Schwerpunkte!


Am 25.10.2005 trafen sich die Delegierten aus ganz Deutschland zu der Jahresversammlung des Deutschen Taxi- und Mietwagenverbandes (BZP) in Düsseldorf. Thematische Schwerpunkte der Mitgliederversammlung in der Rheinmetropole waren neben der aktuellen politische Lage nach der Bundestagswahl das Dauerthema Krankenfahrten, GPRS-gestützte Taxivermittlung und der BZP-Rahmenvertrag mit der T-Mobile hierzu wie die Vorbereitungen auf die Fußball-WM.

Nach den Interna konnte Präsident Hans Meißner im öffentlichen Teil bei den rund 160 Teilnehmern auch neue Gesichter begrüßen: Neben den Kollegen der Wirtschaftsgenossenschaft Berliner Taxibesitzer eG traten im laufenden Jahr die englische Vermittlungssoftware-Firma Cordic Limited und der Taxameter-Spezialist Interfacom (Taxitronic) aus Barcelona als Fördermitglieder dem BZP bei.

Nicht so erfreulich fiel dagegen der politische Ausblick aus, mit dem Hans Meißner den Bericht des Vorstandes eröffnete: Die kommende Große Koalition lasse befürchten, dass eine Opposition künftig nicht mehr statt findet. Zwar könne man die Politiker an deren Aussagen zu der BZP-Wahlumfrage festmachen, wo zumindest keine Grausamkeiten angekündigt wurden. Andererseits werde die Politik ganz offensichtlich weiter die Bürger melken, um die Staatsquote noch höher zu treiben. Für ein auf das Auto angewiesenes Gewerbe könne dies einfach nichts Gutes bedeuten. Umso wichtiger sei es, dass man einiger denn je zusammen stehe.

Wieder einmal bewies der BZP-Präsident, dass er kein heißes Eisen scheut, und thematisierte die Anschnallbefreiung des Gewerbes. Seiner Ansicht nach habe sich dieses „Privileg“ überlebt und gehöre abgeschafft. Für die Befreiung spreche zwar die schnellere Fluchtmöglichkeit bei Überfällen und eine Art von „Freiheitsgedanke“. Es werde aber häufig übersehen, dass die Anschnallverpflichtung grundsätzlich gilt und nur bei der Beförderung von Fahrgästen der Befreiungstatbestand greift. Ein unangeschnallter Fahrer übe auf die Fahrgäste jedoch ein schlechtes Vorbild aus, nicht angeschnallte Fahrgäste auf der Rückbank stellten bei Unfällen eine zusätzliche Gefährdung für den Fahrer dar. Moderne Sicherheitstechniken wie etwa Airbags schützten auch nur im Zusammenwirken mit dem Gurt, nicht angeschnallte Fahrer könnten beim Auslösen sogar besonders verletzt werden. Erheblich mehr Taxifahrer würden in Folge von Unfällen als von Überfällen ernsthaft und auch schwer verletzt. Last but not least gehe es auch nicht nur um die eigene und die Gesundheit der Fahrer, sondern auch um das Geld der Unternehmer. Dass Meißner mit seiner Ansicht nicht alleine steht, bewies eine spätere Probeabstimmung der Delegierten: Die weit überwiegende Mehrheit sprach sich bei lediglich 2 Gegenstimmen für die Einführung einer Gurtpflicht auch bei Besetztfahrten aus!

Nach dem Bericht des Vorstandes wurde der Düsseldorfer Karl Rosewick nach 20 Jahren aus der aktiven  Verbandsarbeit – davon 1987 bis 2003 im BZP-Vorstand – verabschiedet. Mit „standing ovations“ bedankte sich die Versammlung bei Rosewick, dem vom Präsidium die Ehrenmitgliedschaft des BZP verliehen wurde. Auch der Zwickauer Matthias Heil verabschiedet sich aus der aktiven Gewerbevertretung, für seine Aufbauarbeit in der sächsischen Gewerbevertretung wurde er mit der silbernen Ehrennadel des Verbandes ausgezeichnet. 

Zur Thematik der Krankenfahrten referierte dann die Leitung des Ausschusses für Krankenfahrten. Die Ausschussvorsitzende Gisela Spitzlei setzte sich ausführlich mit den Internetausschreibungen insbesondere der Barmer Ersatzkasse auseinander. Diese schreibe trotz jüngst unterzeichneter Verträge mit dem Gewerbe einzelne, lukrative Fahrten im Internet aus. Dies bedeute nach Ihrer Auffassung nicht nur Vertragsbruch, auch die Mischkalkulation des Gewerbes werde hinfällig, weshalb die Kündigung der Verträge eine durchaus denkbare Option sei. Auch datenschutzrechtlich seien die Internetausschreibungen zumindest fragwürdig. Besonders  zu beklagen sei, dass der Patient von den Kassen mit den Versteigerungen á la E-Bay – allerdings mit umgekehrten Vorzeichen, da hier der billigste Jakob den Zuschlag erhält – immer mehr zum „Stückgut“ degradiert wird. Doch nur durch gemeinsame Lösungssuche auf Verbandsebene und Solidarisierung der Unternehmen ließe sich das gegeneinander Ausspielen durch die Krankenkassen und anderen Anbieter auf der Spielwiese des Gesundheitswesens verhindern. Wie eine strategische Positionierung des Gewerbes hier aussehen könnte, erläuterte im Folgenden der Göttinger Taxiunternehmer Michael Müller. In einer Zeit der Zentralisierung der medizinischen Versorgung müsste das Gewerbe mit dem Ziel der Reduzierung der Gesamtkosten seine logistischen Stärken in die Waagschale werfen. Da die Entgelte ausgereizt sind, gebe es für die Kassen auch keine großen Einsparpotentiale durch Preisdumping mehr zu erschließen.  Sammelfahrten hingegen seien am Anfang zwar sehr arbeitsintensiv, erzeugten aber langfristige Kundenbindungen, da sie ein erhebliches Einsparpotential erschließen. Zwar müsse sich das Gewerbe in der Gesamtanzahl der Fahrten beschränken, gleichzeitig ließen sich aber bei fairen Entgelten durchaus deutlich höhere Kilometer-Entgelte erzielen. Für das Gewerbe seien Sammelfahrten, da ohne Alternative und chancenreich, auf Dauer unverzichtbar. 

BZP-Vorstandsmitglied Fred Buchholz berichtete dann über den aktuellen Stand GPRS-gestützter Taxivermittlungen in Deutschland. Diese bereits auf dem Hagener Taxizentralen-Kongress behandelte Thematik werde auch hierzulande zunehmend erfolgreich umgesetzt. So vermittelten die Hamburger Hansa Funktaxi wie auch die TAXI FRANKFURT mit unterschiedlicher Zentralensoftware einige Taxiflotten in fremden Städten. In Bremen erfolge seit 6 Monaten die Nachlieferung von Tageszeitungen für einen Großkunden mit 10 Taxen. Die täglich variierenden Nachlieferungsadressen würden direkt vom Auftraggeber per Internet über GPRS in die Taxen auf Handheld-Computer übermittelt und in Kürze auch über ein integriertes Navigationssystem koordiniert. Gleichzeitig teste man den Echtbetrieb der gesamten 470 Fahrzeuge vom Taxiruf mittels GPRS im Jahre 2006. Hier werde dem Gewerbe viel Potential eröffnet, dem der BZP mit dem Abschluss einer äußerst günstigen Rahmenvereinbarung mit T-Mobile Rechnung getragen habe.

Die Herren Mirbach und Harries von T-Mobile stellten dieses Angebot für die BZP-Mitgliedsorganisationen dann vor: Mit Pauschalen von 4,95 Euro monatlich für 5 MB und 6,85 Euro monatlich für 10 MB Datenvolumen sei dieser speziell auf das für Taxivermittlungen benötigte Volumen zugeschnitten, besonders hervorzuheben und günstig für das Taxigewerbe mit seinen kleinen Datentelegrammen seien dabei die kleine Mindestberechnungseinheit mit Blockrundungen von 1 KB. Ebenfalls exklusiv für BZP-Mitglieder gebe es auch neue Flatrate-Tarife für die interne bzw. lokale Sprachtelephonie.  Mit der Option „Intern Flat“ ließe sich für 10 Euro im Monat ohne Limit firmenintern mit Mobilgeräten untereinander und von Mobilgeräten zu eingebundenen TK-Anlage telefonieren, für 18 Euro im Monat werde dies noch auf zwei Wunschortvorwahlen im Deutschen Festnetz erweitert. Weiter berichteten die Spezialisten von T-Mobile über sogenannte „getunnelte“ Internetverbindung, die per Laptop oder PDA über das Mobilfunknetz einen gesicherten Zugriff  auf das firmeneigene Intranet ermöglichen. Hierdurch ließe sich die gesamte Firmenkommunikation einschließlich der Auftragsübermittlung innerhalb der Reichweiten des Mobilfunknetzes vor dem Zugriff Dritter gesichert abwickeln. T-Mobile biete hier komplette Lösungen bei Einrichtung und Administration mit zentralen Ansprechpartnern.

Dieter Wender, Vorsitzender des Ausschusses „Technik und Software“ und Martin Leitner, Inhaber der Salzburger Firma Hale Elektronic berichteten dann von dem erneuten Vorstoß zur Schaffung einer einheitlichen Schnittstelle für taxispezifische Ausrüstungen. Unter praktisch allen maßgeblichen Firmen habe es eine deutliche und positive Resonanz gegeben, die vom BZP federführend in dem hierzu geschaffenen Arbeitskreis kanalisiert werden soll. Auch die Fahrzeugindustrie werde kurzfristig in die Überlegungen einbezogen. Die Realisierung einer einheitlichen Schnittstelle ermögliche nicht nur preiswertere und multifunktionelle Geräte, auch künftige Nachrüstlösungen sowie weiteres taxispezifisches Zubehör wie Kameras, Sitzkontakte, Datenfunk könnten so miteinander und auch mit dem Fahrzeug vernetzt werden. Durch die geeichte Fahrpreisberechnung und automatische Übertragung der Daten erhalte das Taxigewerbe gegenüber anderen Wettbewerbern einen nicht zu unterschätzenden Vorteil in Form höherer Vertrauenswürdigkeit gegenüber Kunden und Abrechnungsstellen. Durch die geplante Einbindung der Automobilhersteller erhoffe man sich auch, dass der Transport der Daten über den Can-Bus der Fahrzeuge für alle relevanten Peripheriegeräte erfolgen kann.

Auch die kommende Fußball-WM warf ihre Schatten voraus, wenn auch nicht ungeteilt zum Gefallen der Delegierten. Als Andreas Maatz, Abteilungsleiter Transport und Verkehr des FIFA-Organisationskomitees, detailliert vom Stand der Planung des Transport- und Verkehrsmanagements für die WM 2006 und dem Grad der Einbindung des Taxiverkehrs berichtete, wurden die Gesichter immer länger. Auch der Hinweis, dass die in einigen Städten bedauerlich schlechte Einbindung und Stadionerreichbarkeit des Taxigewerbes mit den besonders scharfen Sicherheitsvorkehrungen in Zusammenhang steht, konnte die Gemüter nicht wirklich beruhigen. Entsprechend lebhafte entwickelte sich dann die Debatte, bei der besonders kritisiert wurde, dass der DFB  hier auf Freiwillige setzt anstatt auf ortskundige Berufsfahrer aus dem Taxigewerbe zurückzugreifen. Herr Maatz musste einräumen, dass dies hauptsächlich auf finanziellen Erwägungen beruht, man in der Vergangenheit mit der Einbettung von Freiwilligen aber auch sehr gute Erfahrungen gemacht habe. Hier konnten die Gewerbevertreter dann naturgemäß einhaken und mit vielen Praxisbeispielen widerlegen, gleichzeitig wurde dringend vor einer nicht ausreichenden Einbindung des lokalen Gewerbes gewarnt. Präsident Hans Meißner traf die verärgerte Stimmung der Versammlung wohl mit der Bemerkung auf den Punkt, dass mit der gesamten Fußball-WM zwar Milliardenbeträge umgescheffelt werden, qualifizierte Dienstleistungen wie Fahrdienste aber auf einmal von „jedem Depp“ erbracht werden können.

Das Thema WM war aber nicht nur negativ besetzt: Peter Dambach vom Dienstleistungszentrum Bildung der Deutschen Bahn AG (DBZ) präsentierte sein Konzept für eintägige Schulungen von Dienstleistern in den Austragungsstädten. Das DBZ werde nicht nur das Training für 12.000 freiwillige FIFA-Helfer bei der WM 2006 durchführen, sondern auch ein vom Bundeswirtschaftsministerium zu 100 % gefördertes Schulungsangebot für die potentiell rund 180.000 Dienstleister diverser Branchen in den 12 WM-Städten als „WM-Botschafter“ anbieten. Hierzu werden 500 Schulungsteilnehmer pro Stadt aus den verschiedensten Bereichen, so auch aus dem Taxigewerbe, in naher Zukunft eingeladen.

Am Ende einer langen, aber erfolgreichen Tagung bedankte sich Präsident Hans Meißner bei den Sponsoren in Gestalt der Firmen DaimlerChrysler, Opel, Volkswagen und der Signal Iduna/VdK- Versicherung. Er schloss die Sitzung mit der Einladung zur offenen Sitzung des Erweiterten Vorstandes am 3. April 2006 in Leipzig im Rahmen der AMI sowie zur Mitgliederversammlung in Köln am 26. Oktober 2006 im Vorfeld der Europäischen Taximesse.

(Meldung vom 14.12.2005) 

 

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