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Herbsttagung in Genf: IRU-Taxigruppe diskutiert die Rolle des Taxis als Teil des städtischen Mobilitätsangebotes sowie in der derzeitigen Umweltdiskussion und befürwortet die zwingende Anschnallpflicht im Taxiverkehr!
Die Schwerpunktthemen bei der Herbsttagung der IRU-Gruppe „Taxi und Mietwagen mit Fahrer" am 7. November 2007 in Genf waren die Verbesserung der Verkehrssicherheit im Taxiverkehr, die überall in Europa heiß geführte Umweltdiskussion um die Rolle des Kraftfahrzeuges im Allgemeinen, des Taxiverkehrs im Speziellen sowie das Grünbuch der EU-Kommission zum städtischen Transport.
Bereits bei der Frühjahrstagung im Mai, welche ebenfalls in der Schweizer Kantonshauptstadt durchgeführt wurde, wurde eine umfassende medizinische Information zu den Vorteilen der Sicherheitsgurtbenutzung vorgestellt, nun lag auch ein umfangreiches Papier vor, welches die rechtliche Situation hinsichtlich der Anschnallpflicht in den Taxis in Europa darstellte. Mittlerweile haben Dänemark, die Schweiz, Schweden und Irland die Verpflichtung, dass auch von Taxifahrern immer der Sicherheitsgurt anzulegen ist. Die Folgen bei Nichtbeachtung können dramatisch sein: in Schweden bspw. wird das Nichtanlegen des Sicherheitsgurtes bei einem Erwachsenen schon bei Erstbegehung mit 1.600 Euro bestraft, wenn Kinder nicht angeschnallt werden, sind sogar 2.400 Euro angesagt. Zwischenzeitlich hatten sich auch alle Verbände intern abgestimmt, so konnte relativ schnell zur Beschlussfassung durch die 23 anwesenden Delegierten gekommen werden. Mit großer Mehrheit, nämlich bei nur einer Gegenstimme und einer Enthaltung, beschloss die IRU-Taxigruppe folgenden Standpunkt: „In Anbetracht der absoluten Priorität bei der Gewährleistung der Sicherheit der Fahrgäste und Fahrer befürwortet die IRU das zwingende Anlegen von Sicherheitsgurten bei allen, die im Taxi sitzen, einschließlich dem Taxifahrer. Regierungen, Verbände, Taxiunternehmen und ihre Fahrer sollten diesem Standpunkt beitreten, um die Situation zu verbessern und ein nachhaltiges Anwachsen der Anschnallquote bei allen Taxibesatzungen zu erreichen". Die Taxigruppenmitglieder sind nun aufgefordert, für diese Position bei ihren nationalen Verantwortlichen und den Mitgliedern des europäischen Parlamentes zu werben, um so die Kampagne der Europäischen Kommission zu unterstützen, die Zahl der Verkehrstoten und verkehrsbedingt Verletzten deutlich zu senken.
Die Europäische Kommission hat im September 2007 einen ersten Entwurf eines Grünbuchs mit dem Titel „Vorwärts zu einer neuen Kultur der städtischen Mobilität" veröffentlicht, um europaweit den Gebrauch von verschiedenen, untereinander vernetzten städtischen Transportmodi zu optimieren. Zur Erklärung: ein Grünbuch ist ein Diskussionspapier, welches den Zweck verfolgt, auf dem angesprochenen Gebiet eine öffentliche und wissenschaftliche Diskussion anzuregen und so grundlegende politische Ziele in Gang zu bringen. Deshalb besteht auch bis 15. März nächsten Jahres die jedem EU-Bürger und jeder Organisation mögliche Gelegenheit zu diesem Papier Stellung zu nehmen (im Internet unter der Adresse http://ec.europa.eu/transport/clean/green_paper_urban_transport/index_en.htm [auch in deutscher Fassung]. Von der Taxigruppe wurde begrüßt, dass der Taxiverkehr in das Diskussionspapier aufgenommen wurde „als ein integraler Teil des kollektiven Transportes". Es wurde nämlich einhellig als sehr wichtig bewertet, dass die Rolle des Taxis als Alternative zur Nutzung von privaten Fahrzeugen und die bestmögliche Einbindung der Taxibranche von der Kommission erkannt wurde, dies ist nämlich erstmalig durch dieses wichtige EU-Gremium geschehen. Bemängelt wurde allerdings, dass das Taxi als Bestandteil des kollektiven Transportes und nicht als integraler Bestandteil des öffentlichen Transportsystems bezeichnet wird. Die IRU-Taxigruppe wird hier den Finger in die Wunde legen und eine entsprechende Stellungnahme dazu erarbeiten.
Die Transportkette war auch Präsentationsgegenstand einer gemeinsam vom Pariser Institut für städtische Mobilität und dem französischen Ableger der GfK (Gesellschaft für Konsumforschung) erarbeiteten Umfrage, in der nach dem großstädtischen Nutzerverhalten und den Nutzerwünschen zur angebotenen Taxidienstleistung geforscht wurde. In Lissabon, Amsterdam, London, New York und Paris sind dafür immerhin 2.000 Befragungen durchgeführt worden. In Kurzform die Auswertung der je nach Stadt teilweise stark abweichenden Ergebnisse: In Paris fordern die Nutzer deutlich mehr Taxis bei besserem Service; in Amsterdam gibt es zwar ausreichend viele Taxis, aber eine schlechte Qualität, was entsprechende Beschwerden mit sich bringt; in Lissabon werden auch viele Taxis angeboten, die sogar häufig benutzt werden, allerdings aus Nutzersicht von schlechter Qualität sind; in London und New York sind Taxis stark nachgefragt und sprechen vom Angebot her sehr unterschiedliche Nutzungsbereiche an, was begrüßt wird. Taxis werden dort als leicht zu benutzen und praktisch beurteilt und im Vergleich der fünf Städte deutlich am besten bewertet. Erstaunlich ist dies angesichts der Tatsache, dass die Systeme unterschiedlich sind: die Taxifahrerqualifikation in London ist ausgesprochen hoch, gleichfalls aber auch der Preis, demgegenüber werden die Taxikosten in New York als billig empfunden, die Fahrer als wenig qualifiziert. Danach stünde der Preis gar nicht so sehr im Blickpunkt des Kunden, sondern die einfach zu erreichende und vielfältige Nutzbarkeit.
Die gegenwärtige Situation hinsichtlich der Umweltdiskussion wurde am Beispiel Deutschlands eingeführt. Die Einführung der Umweltzonen steht in Deutschlands Städten kurz- sowie mittelfristig bevor. Dies wird erhebliche Beschränkungen nach sich ziehen. Auswege für das Gewerbe bieten technische Lösungen, einschließlich des Gebrauchs von neuen "grünen" Treibstoffen wie Autogas und vor allen Dingen Erdgas. Wenn die Diskussion um CO2 möglicherweise noch beherrschbar ist, so wird die Einführung von neuen NOx-Standards viel größere Probleme bedeuten. Denn dort scheinen derzeit seitens der Hersteller keine technischen Lösungen parat zu sein. In der dem Vortrag von Thomas Grätz vom BZP nachfolgenden Diskussion wurde darauf hingewiesen, dass es dem Gewerbe europaweit an staatlicher Unterstützung für die Einführung solcher Techniken fehle. Der schwedische Kollege Lennart Hamnered legte dar, dass die von der schwedische Branche entwickelte Initiative eines "Grünen Taxis" zwar gute Medienresonanz gebracht habe, wegen der hohen Kosten aber letztlich nicht durchgreifend vom Gewerbe angenommen wurde. Fred Buchholz, der erstmals bei einer IRU-Sitzung anwesende neue Präsident der deutschen Bundesverbandes, legte dar, dass der in Deutschland präferierte Erdgas-Antrieb nur dann wirklich Sinn mache, wenn der Unternehmer auch sensibilisierte Fahrer auf seinen Fahrzeugen hat. Denn das Betanken mit Erdgas ist finanziell nur dann wirtschaftlich effizient, wenn die bimodal ausgelegten Fahrzeuge zu 98% auch mit Erdgas gefahren werden. Insgesamt bemängelten die Teilnehmer, dass die Einführung von „grünen" Taxis und Treibstoffen in den meisten Staat mit sehr hohen Kosten verbunden sind. Einig waren sich aber alle, dass die Umweltdiskussion auch in der IRU mit höchster Priorität weitergeführt werden muss.
Wie immer ausgesprochen interessant war der die Sitzung abschließende Überblick über zwischenzeitliche nationale Entwicklungen auf den Taxisektor. So berichtete der österreichische Präsident Anton Eberl, dass in unserem Nachbarland ab Mitte 2008 per Kollektivvertrag eine Mindestentlohnung für Taxilenker eingeführt werde. Diese beträgt 1000 Euro brutto bei 55 Wochenstunden. In Belgien müssen ab September 2008 alle Taxis mit Peripheriegeräten ausgestattet sein, die alle wesentlichen anfallenden Auftragsdaten speichern. Wegen der Aufzeichnung des Start- und Zielortes jeder Taxibeförderung müssen alle Taxifahrzeuge mit GPS ausgestattet sein. Weiterhin ist gesetzlich vorgeschrieben worden, dass für die ersten drei km ein Pauschalpreis von bis zu sieben Euro anzusetzen ist. Wegen dieser Vorschrift wird es Mitte Dezember zu Demonstrationen kommen, weil zirka 80% der belgischen Taxameter mangels Darstellbarkeit des Pauschaltarifes ersetzt werden müssen. Auch in Niederlanden wird ein Pauschalpreis für die ersten beiden Kilometer eingeführt, die größere Problemlage stellt dort allerdings dar, dass ab 1.2.2008 nur noch streckenbezogene Tarife erlaubt sind. Die Wartezeitberechnung wird also komplett gestrichen. Auch in Niederlanden werden die Daten digital aufgezeichnet, diese Neuregelung wird voraussichtlich im Dezember 2008 eingeführt. Dem wollten die Bulgaren nicht nachstehen, auch hier werden mittels elektronischen Taxameters die Daten aufgezeichnet. Neu ist dort, dass die Taxis nur noch bis zu fünf Sitzplätze und die Fahrzeuge nicht mehr als zehn Jahre auf dem Buckel haben dürfen. Die dänische Kollegin konnte berichten, dass auch dort seit August ein generelles Rauchverbot in Taxen herrscht. In Rumänien wird eine einwohnerbezogene Zulassungsbeschränkung eingeführt: pro 1000 Einwohner dürfen höchstens vier Taxi zugelassen werden. Aus der Schweiz wurde noch berichtet, dass dort ein lizenzierter Unternehmer nicht mehr ortsgebunden ist, sondern überall seinen Taxibetrieb aufmachen kann.
(Meldung vom 12.12.2007) |