Zukunftskongress des BZP am 21.06.2017 in Berlin: Das Taxigewerbe ist bei der Digitalisierung bereits ganz weit vorn aufgestellt – Politiker sprechen sich für PBefG-Modernisierung mit Augenmaß aus

Der Taxi-Zukunftskongress des BZP am 21.06.2017 in Berlin im Rahmen der Kampagne „Verlässlich ist modern“ war eine spannende und mit über 200 Teilnehmern sehr gut besuchte Bestandsaufnahme des Gewerbes. Im zweiten Teil setzten die im Bundestag vertretenen Parteien wichtige Signale für eine Reform des PBefG mit Augenmaß.

Im ersten Teil wurde der digitale Ist-Zustand des Taxigewerbes in einer Experten-Gesprächsrunde analysiert.

So berichtete die Berliner Taxiunternehmerin Sabine Ernst (auch Motiv der Kampagne „Verlässlich ist modern“ !) sehr anschaulich, wie der digitale Datenfunk ihren Alltag im Taxi veränderte und Abläufe durch Digitaltechnik wie z.B. dem Fiskaltaxameter vereinfacht werden. BZP-Vizepräsident Hermann Waldner schilderte, dass die gewerbeeigen betriebenen Taxizentralen trotz sehr weitgehender Aufrüstung mit digitalen Vermittlungssystemen und Vermittlung-Apps bewusst den analogen Weg einer Vermittlung durch Menschen als Operator offen halten werden, die persönliche Beziehung und Empathie werde als wertvolles Dienstleistungsmerkmal von vielen Kunden sehr geschätzt. In aller Regel sei der Telefonservice sogar schneller als eine Bestellung per App.

Thomas Sell von der Telekom bescheinigte dem Taxigewerbe einen bereits sehr hohen Digitalisierungs-Level. Aus Kundensicht sei besonders wichtig, was eigentlich mit den gesammelten digitalen Daten passiert. Während diese anderswo z.B. für wirtschaftlich nutzbare Sozial- und Bewegungsprofile der Kunden missbraucht und verkauft werden, werden die Daten im Taxigewerbe nur sehr kurzfristig für das interne Qualitätsmanagement genutzt und dann gelöscht. Der Datenschutz für den
Kunden sei hier oberstes Gebot, die strengen Vorgaben des nationalen Rechts werden umgesetzt.

Quintessenz der mit Videosequenzen ergänzten Gesprächsrunde: die in der Branche bereits in den achtziger Jahren einsetzende Digitalisierung hat aktuell bereits ein hohes Niveau erreicht, das traditionelle Gewerbe sei hier mindestens auf dem Stand der „neuen digitalen Wettbewerber“, teilweise sogar in seiner Erreichbarkeit sowie nationalen und internationalen Vernetzung deutlich voraus.

BZP-Präsident Michel Müller stellte dann die 8 Leitlinien zur Gestaltung der Digitalisierung der Taxi- und Mietwagenbranche vor. Hauptaussage: hier erfolgt die Digitalisierung nicht zum Selbstzweck, sondern stellt den Menschen in den Mittelpunkt und gewährleistet ökologische Mobilität für Alle.

Im zweiten Teil galt es dann auf der nachfolgenden Podiumsdiskussion „Zukunft Taxi - politische Gestaltung der Personenbeförderung“ für die Verkehrspolitiker des Bundestages im Hinblick auf eventuelle Änderungen des PBefG und die hierauf abzielenden Wahlprüfsteine des BZP Farbe zu bekennen.


Verkehrspolitiker einig: an Tarif-, Beförderungs- und Tarifpflicht wird nicht gerüttelt!

In den wichtigsten Punkten waren sich Michael Donth (CDU), Kirsten Lühmann (SPD), Stephan Kühn (Grüne) und Sabine Leidig (Linke) weitgehend einig: An Betriebs-, Beförderungs- und Tarifpflicht des Taxis wollte keiner von ihnen rütteln. Auch bei einem modernisierten PBefG müsse der ÖPNV der Daseinsvorsorge gerecht werden, hier gehöre das Taxi zwingendend dazu.

Deswegen sprachen sich auch alle Verkehrspolitiker für eine weiterhin klare Abgrenzung zwischen Taxis und Mietwagen aus. Der BZP-Vorschlag einer rechtssicher definierten Abgrenzung von privatem Mitfahren und gewerblicher Beförderung durch fixe Entgeltgrenzen fand bei den Politikern viel Zustimmung. Sharing höre da auf, wo angefangen wird, Geld zu verdienen („Ride selling“).

Lebhaft diskutiert wurde auch mit den anwesenden Unternehmern und Fahrern die Sicherung der Taxi-Versorgung im ländlichen Raum. Der Bürger in der Lüneburger Heide sei auf Beförderungssicherheit genauso angewiesen wie der Großstadtbewohner mit einer guten öffentlichen Infrastruktur. Dies sei bereits heute ein drängendes und in Zukunft eines der zentralsten Probleme der Verkehrspolitik und staatlichen Daseinsfürsorge. Hier müsste auch über neue Wege nachgedacht werden, so könnte die Bereitstellung von Mobilität durch das Gewerbe ggf. auch durch öffentliche Mittel finanziell kompensiert werden, ähnlich wie dies bei Ärzten auf dem Lande bereits heute erfolgt. Gewerbevertreter forderten, statt auf nicht funktionierende Good-Will-Privatmodelle („Rentner fährt Rentner“) zu setzen besser das vorhandene Know-how und Ressourcen des Gewerbe zu nutzen und dieses viel intensiver einzubinden, so z.B. bereits bei der Erstellung von Nahverkehrsplänen.

Einigkeit bestand auch bei der Notwendigkeit, dass Taxiangebote wesentlicher Bestandteil von internetbasierten Mobilitätsplattformen sein müssen, um attraktive verkehrsmittel-übergreifende Mobilität in allen Facetten als Alternative zum Privat-Pkw anbieten zu können.

Angesichts der zahlreichen Hürden auf dem Weg zur Elektromobilität von der Reichweite bis zur Frage der Lade-Infrastruktur sprachen sich alle Politiker für Subventionen bei der Anschaffung der teureren Fahrzeuge und höheren Betriebskosten von Elektro-Taxis aus, das Taxigewerbe könnte hier eine sehr wichtige Vorreiterrolle übernehmen und vielbeachtete Signale setzen (siehe hierzu Pressemitteilung des BZP vom 22.06.2017).

BZP-Präsident Michael Müller konnte am Ende ein positives Fazit ziehen: „Alle vier Parteien haben sich heute dazu bekannt, dass Taxis Teil der Daseinsvorsorge sind. Wir hoffen, dass die Politik auch nach der Wahl dazu steht. Wir jedenfalls werden auch in Zukunft verlässlich und modern unsere Dienstleistung anbieten und erbringen.“

(Meldung vom 23.06.2017)

 


Videolinks etc.

PDF-Broschüre:  8 Leitlinien zur Gestaltung der Digitalisierung der Taxi- und Mietwagenbranche

Video 1: Digitalisierung in der Taxi- und Mietwagenbranche

Video 2: Podiumsdiskussion der Verkehrspolitiker